17.01.2026 – 06.03.2026

IVIE ADA ONAIWU / ANDREA HELLER

Ausstellung

Eine Ausstellung zum Release der neuen Edition von Ivie Ada Onaiwu

  • Fotografie: Gian Losinger

  • Fotografie: Gian Losinger

  • Glasobjekte Andrea Heller
    Fotografie: Silvana Pasquier

  • Glasobjekte Andrea Heller
    Fotografie: Silvana Pasquier

Im Rahmen des Releases der Edition von Ivie Ada Onaiwu fand im Neuen Raum in Bern eine Ausstellung statt. Präsentiert wurde die Edition When I Squint My Eyes I Can Hear the Sea: Ein gewebter Teppich, in zwölf Teile geschnitten, die als zwölf signierte und nummerierte Editionen erscheinen und zu erwerben sind.

Neben der Edition war auch ein grossformatiger Teppich Onaiwus zu sehen. Ergänzt wurde die Ausstellung durch Glasobjekte von Andrea Heller, deren fragile, transparente Präsenz einen spannungsvollen Kontrast zu den weichen, materiellen Teppichfragmenten bildete. Aus dieser Gegenüberstellung entstand eine stille, überraschend harmonische Begegnung der Arbeiten.

Die Ausstellung markierte zugleich den Auftakt für den Neuen Raum, der ab 2026 als Ort für verschiedene kulturelle Veranstaltungen genutzt werden soll.

 

Ivie Ada Onaiwu (*1996) ist Künstlerin und Textildesignerin. In ihren Tapisserien untersucht sie Fragen von Heimat und Zugehörigkeit aus der Perspektive familiärer Erinnerung und kultureller Identität.
Durch die Verbindung von digitalem Design und handwerklichen Tufting-Techniken entstehen textile Arbeiten, die zugleich weich und konfrontativ sind. Onaiwus Werke halten flüchtige Momente fest, die sich zu einer vielschichtigen Erzählung verdichten und zur Auseinandersetzung mit der Komplexität gelebter Erfahrung einladen. Dabei eröffnet sie einen Dialog über Identität, Raum und die emotionale Bedeutung von Beziehungen als dynamische, sich stetig verändernde Gefüge.


When I Squint My Eyes I Can Hear the Sea
Ich blicke auf eine Fotografie und spüre ein sanftes Kitzeln auf der Nase und Wärme auf meiner Haut. Ich blicke nach oben, die gleissende Sonne zwingt mich, die Augen reflexartig zusammenzukneifen. Ich atme tief ein und rieche etwas Süsses: Ich erinnere mich.


When I Squint My Eyes I Can Hear the Sea von Ivie Ada Onaiwu lädt dazu ein, fragmentarische Erinnerungen der Künstlerin nachzuvollziehen und mit eigenen Erfahrungen in Beziehung zu setzen. Ausgehend von Fotografien arbeitet Onaiwu prozesshaft mit Zeichnungen und Tufting. Sie versteht Bilder nicht als abgeschlossene Dokumente, sondern als Ausgangspunkte einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Zeit und subjektiver Verordnung. Die Fragmentierung der finalen Tapisserie öffnet einen Diskurs über den Realitätsanspruch innerer Bilder und deren Wandelbarkeit. Dadurch wird sichtbar, dass Erinnerungen nicht als kohärente, verlässliche Bilder bestehen, sondern als brüchige Konstruktionen, die sich im Prozess des Zurückdenkens stetig verschieben, überlagern und neu zusammensetzen.

 

Andrea Heller lebt in Evilard und arbeitet in Biel. Nach einer Grafik-Ausbildung studierte sie Bildende Kunst in Hamburg (HfBK) und Zürich (ZHdK). Anschliessend erhielt sie Förderbeiträge des Kantons Zürich, ein Atelierstipendium in Paris sowie 2014 den Prix Anderfuhren.

Andrea Hellers Arbeiten lassen sich als „ernstes Spiel“ beschreiben. Sie bewegt sich souverän zwischen Zeichnung, Malerei, Keramik, Glas und Gips und verbindet scheinbare Gegensätze: organisch und geometrisch, innen und aussen, weich und hart, schön und verstörend. Ihre Werke sind zugleich körperlich und abstrakt, spielerisch und präzise, fragil und bestimmt. Heller interessiert sich für die metaphorische Aufladung ihrer Formen – sie können als Körper, Wesen, Landschaften oder architektonische Gebilde gelesen werden. Immer geht es um Wahrnehmung, Wandel, Durchlässigkeit, Instabilität – und die Frage, wie sich Räume und Körper wechselseitig formen.

Zeichnung steht im Zentrum ihrer Praxis. In Hellers Bildern entfalten sich hybride Kreaturen, imaginäre Landschaften und ornamentale Strukturen. Aquarell- und Tuscheverläufe entwickeln sich zu komplexen Gebilden, die zwischen Massstabsebenen changieren. Viele Werke basieren auf gefundenem Bildmaterial – etwa Luftaufnahmen, Zeitungsfotos oder Karten –, das Heller formal analysiert und in eigene Bildsysteme übersetzt. Sie interessiert sich für die Struktur von Bildern: Wie eine Siedlung aus der Vogelperspektive lesbar wird wie eine Zeichnung, oder wie eine Mauer eine Linie durch eine Landschaft zieht. Ihre künstlerische Strategie folgt oft einfachen Regeln, deren Wiederholung und Abweichung ein fragiles Gleichgewicht erzeugen.

Zuletzt zeigte sie ihre Arbeiten in Einzelausstellungen u.a. bei der Graphische Sammlung ETH, Kupper Modern in Zürich, Galerie Bernhard Bischoff in Bern, Frédérique Hutter in Zürich, GAP in Eglisau, Parafin in London, Kunsthalle in Zürich

(Quelle: andreaheller.ch, bearbeitet) 

Release-Apéro
17. Januar 2026

Mit herzlichem Dank für die Unterstützung